Alle haben Beziehungsprobleme – und alle erzählen sie mir. Ständig. Vor kurzem hat es mir dann gereicht: Meine Freundin Anna rief mich mal wieder heulend an, weil sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte, was fast täglich der Fall ist. Mit tränenerstickter Stimme schilderte sie mir, wie er sie nur angeschrien hatte, weil sie eben gerade da war. Im Grunde, da war sie sich sicher, war er nur frustriert, weil er auf die Doppelkarte für seinen neuen Wagen wartete und sein Kfz-Versicherer sich Zeit ließ. So etwas konnte sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schleuderte ihm an den Kopf, seine Kfz-Haftpflicht wäre ihr scheiß egal. „Nur sein Auto liebt er, mich gar nicht“, zeterte sie weiter.

Oh man. Wenn es bei den beiden wenigstens mal um was interessantes oder essentielles gehen würde. Genervt hielt ich den Hörer ein Stück von meinem Kopf weg, um keinen Hörsturz zu bekommen. Es tat mir wirklich leid, sie so traurig zu sehen, oder besser zu hören. Aber da Anrufe dieser Art mittlerweile fast täglich kamen, war ich langsam müde in der Sache.

Da es langsam reichte, legte ich ihr zum ersten Mal nahe, eine Trennung in Erwägung zu ziehen. Das Aufheulen am anderen Ende der Leitung konnte ich zuerst nicht deuten. „Aber ich liebe ihn doch und er mich auch“, kreischte sie. Na gut, ich hatte es probiert. Dann riet ich ihr, etwas für eine, eventuell längerfristige, Versöhnung zu tun. Und wir hatten eine Idee: Noch am selben Tag fuhr Anna im super kurzen Rock zu der Kfz-Versicherung ihres Freundes und nervte die Mitarbeiter dort so lange, bis sie ihrem Schatz die Doppelkarte nach Hause bringen konnte. Und was soll ich sagen? Die beiden fuhren mit dem neuen, frisch versicherten, Flitzer erst mal in den Urlaub. Dort haben sie sich eine Woche lang nicht gestritten. Morgen kommen sie zurück – und ich habe eine neue Telefonnummer.